
Einzigartiges Kulturerbe
Bregenzerwälder Juppe
Jupe [ʒyːp] ist das französische Wort für Rock. Dieselbe Bedeutung hat der Begriff in der deutschsprachigen Schweiz. Unter Rock verstehen unsere Nachbarn mitunter ein Kleid. Männer aus Oberbayern denken an eine Jacke, wenn sie von Juppe sprechen, und wir im Bregenzerwald an unsere Frauentracht.
Ausgezeichnet von der
österreichischen UNESCO-Kommission
2021 wurden die Herstellung der traditionsreichen Bregenzerwälder Juppen und das Tragen der Frauentracht auf Antrag der Juppenwerkstatt Riefensberg in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Einzigartig und komfortabel
Die Bregenzerwälder Juppe ist eine der ältesten und wertvollsten Trachten im Alpenraum. In ihrer Machart ist sie ein plissiertes, ristlang getragenes Trägerkleid, das im Oberteil figurnah gearbeitet wird. Dabei wird Falte um Falte in mehreren Schlingstichreihen dehnbar aneinandergenäht.
Die schmale Silhouette ist einer Anlehnung an die Schnürmiedermode geschuldet. Diese gab über viele Jahrhunderte den Takt vor, ungeachtet der negativen Auswirkungen auf den Tragekomfort und die Gesundheit der Frauen und Mädchen. Die Wälderinnen orientierten sich am gängigen Modediktat, hielten aber an einem Faltengewand fest, das durch seine Verarbeitung ein freies Atmen ermöglichte. Die Juppe existiert heute in sechs verschiedenen Varianten, die alle den gleichen Grundschnitt aufweisen.
Der Luxus der Frauen
Trägerkleid, Ärmel, Einstecktuch und Gürtel gehören zur Grundausstattung einer Juppe. Traditionsbewusste Wälderinnen lieben die Exklusivität des Glanzleinens unserer Manufaktur, das aufgrund seiner Festigkeit dem Gewand eine unverwechselbare Form gibt, vergleichbar mit der Blüte einer Glockenblume.
Für die fein gearbeiteten Stickereien und die Auszier mit Knüpfarbeiten verwenden die Kunsthandwerkerinnen Echtgold- und Echtsilbergarne sowie farbige oder schwarze (Kunst-)Seide. Drehen sich Jüpplerinnen, werden die am Rücken getragenen ein- oder dreiteiligen Gürtelschnallen sichtbar, Schmuckstücke, die zum überwiegenden Teil in jahrhundertealter Silberfiligrantechnik hergestellt wurden und noch heute gefertigt werden.

Goldschmiede Gassner, Egg
Gürtelschnalle in Silberfiligrantechnik
Jede Glanzleinenjuppe – ein handwerkliches Unikat
Eine Bregenzerwälder Frauentracht kann in keinem Geschäft fertig erworben werden. Der lange Weg zur eigenen Juppe führt traditionsbewusste Frauen und Mädchen zunächst in die JUPPENWERKSTATT RIEFENSBERG, ehe sie die Werkstätten der Stickerinnen, Knüpferinnen und Juppennäherinnen, Hut-, Kappen-, Schappalemacherinnen und Goldschmiedinnen besuchen. Durch den persönlichen Kontakt ist es möglich, eigene Vorlieben in die Gestaltung einzubringen.
Bregenzerwälder Glanzleinen – Tradition, die verpflichtet
Für ihre kostbarsten Gewänder greifen die Wälderinnen auf den originalen Juppenstoff zurück, der nur noch in der Juppenwerkstatt Riefensberg in jahrhundertealter Handwerkskunst hergestellt wird. Dabei handelt es sich um jenes einzigartige tiefschwarze, geleimte, glänzende und gefältelte Leinengewebe, das bereits die Reiseschriftsteller des 19. Jahrhunderts dazu veranlasste, die Erscheinung der Frauen mit dem Attribut „priesterlich“ zu adeln.
Um in das Geheimnis der Glanzleinenherstellung eingeweiht zu werden, begleiten Sie uns in unsere Glanzleinen-Manufaktur.

d’Jûppô
Juppenwerkstatt Riefensberg (Hg.) (2013).
€ 14,–

Falten, Krausen, Plissee.
Falten vor und hinter dem Arlberg (Ausstellungskatalog).
Juppenwerkstatt Riefensberg (Hg.) (2019).
€ 16,–

Tradition, die kleidet
Highlights österreichischer Trachtenkultur (Ausstellungskatalog).
Juppenwerkstatt Riefensberg (Hg.) (2024).
€ 19,–


