Tradition hat ihren Preis: Arbeit.
Arbeit hat ihren Lohn: Gemeinschaft.
Motto der Juppenwerkstatt Riefensberg
Willkommen in unserer Glanzleinen-Manufaktur!
Ein Ort, an dem aus Leinen
gelebte Tradition entsteht

Wird in der Juppenwerkstatt der Leim für die Herstellung des exklusiven Juppenstoffs gekocht, stehen wir am Beginn eines langen und über Jahrhunderte tradierten handwerklichen Prozesses, dessen Ergebnis ein Produkt einzigartiger Schönheit ist: gefälteltes Glanzleinen.
Über Generationen wurde die Handwerkskunst der Juppenfärber innerhalb der Familien weitergegeben. Die Rezepturen, mit denen gearbeitet wurde, waren streng geheim, um keine Konkurrenz aufkommen zu lassen. In unserer Manufaktur gehen wir heute wie damals an die Arbeit, nur offener in Bezug auf die Wissensweitergabe. Die Maschinen, die im Einsatz stehen, sind über 115 Jahre alt. Sie revolutionierten bei ihrer Einführung den zunächst in reiner Handarbeit getätigten Produktionsprozess.
Um den tiefschwarzen, geleimten, glänzenden und in hunderte Falten gelegten Stoff zu erzeugen, braucht es langjährige Übung. Am Ende muss das Gewebe in seine Falten zurückspringen, wenn man sich auf die Juppe setzt. Das ist eine heikle Sache, da wir mit Naturfaserstoff, nämlich Leinen, arbeiten. In der Elastizität der Falten steckt eine Unmenge an Erfahrung, die Generationen von HandwerkerInnen eingebracht haben.
Am Anfang wird gekocht,
Für die Stoffveredelung verwenden wir feinstes Leinen. Um Juppenstoff herstellen zu können, muss der Stoff zunächst ausgerüstet werden. Dazu kochen unsere MitarbeiterInnen in einem großen Kupferkessel und unter oftmaligem Rühren Leder aus. Wenn Kinder vorbeischauen und den dichten Dampf sehen, der an der Decke hängt, urteilen sie, es sehe bei uns wie in einer Hexenküche aus. Lassen wir es dabei. So unrecht haben sie nicht.
dann geleimt,
Ist der Leim gelungen, wird er am Leimtag erwärmt und fertiggestellt, um die Stoffe darin eintauchen zu können. Die Arbeit findet im Spätfrühling oder Frühsommer statt, wenn weder der Löwenzahn noch der Wald blüht und daher keine Gefahr besteht, dass sich auf den Geweben Blütenstaub absetzt. Warum das? Zum Trocknen werden die nassen Bahnen auf einer Wiese ausgelegt.
schließlich „geglästet“
Noch hat der Stoff nicht seinen charakteristischen Glanz. Den erhält er erst im nächsten Produktionsschritt, bei dem der Leim durch Reibung in das Gewebe eingearbeitet wird. Unsere Glästmaschine steht seit 1909 in Verwendung. Der Prozess ist aber nicht vollautomatisiert; der Vorschub des Stoffes geschieht nach wie vor in Handarbeit, die mit viel Gespür ausgeübt werden muss, will man gute Ware erzeugen und seine Finger vor dem hin- und herfahrenden Eisenbolzen schützen.
und zuletzt gibt die Fältelmaschine den Takt vor.
Hat die Arbeit ein Ende gefunden, steht das Fälteln an und damit die Endausfertigung der glänzenden Stoffe. Die Maschine wurde von einem Bregenzerwälder aus Egg nach dem Vorbild von Plissiermaschinen konstruiert, die er anlässlich der Weltausstellung in Paris 1867 kennengelernt haben soll. Seit ihrer Einführung in den 1870er Jahren gehört das mühevolle Handfälteln der Geschichte an. Wenn in der Juppenwerkstatt gefältelt wird, herrscht im Haus Nervosität. Denn, so gut die Stoffe bis hierher gelungen sein mögen, ein erfolgreicher Abschluss hängt von vielen Faktoren ab.
Der Tag geht dem Ende zu.
Wir sitzen erleichtert zusammen. Ob unsere Arbeit gelungen ist, erfahren wir erst, wenn die Stoffe Lagerzeit hinter sich haben. Wir tun, was wir tun können, um auch noch der nächsten Generation jahrhundertealtes Kulturgut, die Bregenzerwälder Glanzleinenjuppe, übergeben zu können.



